Träume des Adam / Dreams of Adam
Selbstbewusst erhebt Victoria die alte Werbetafel mit dem traditionsreichen Opel-Fahrzeug, thronend über dem Adam Opel Haus, der Unternehmenszentrale in Rüsselsheim. Der Platz ist gefüllt von Menschen, die Plakate und Fahnen gegen beabsichtigte Werkschließungen tragen. „Achtet auf das Unternehmen, die Ernährerin der Region. Achtet auf die Marke!“ („Das Herz von Rüsselsheim“). So erinnert Hans Diebschlag, aufgewachsen in Rüsselsheim mit Opel, wo sein Vater arbeitete, an die Tradition des Unternehmens, das er seit vielen Jahren in seiner ganz eigenen Art begleitet.
Mit der vorliegenden Serie von 32 Gemälden „Träume des Adam“, die er als poetische Werbung versteht, reflektiert Hans Diebschlag erneut in malerischer Weise, wie Menschen Opel und seine Produkte wahrnehmen und welche Bedeutung sie ihnen geben oder geben könnten. Vor dem Hintergrund der krisenhaften Situation der Automobilindustrie, zuletzt der großen Wirtschafts- und Finanzkrise, die Diebschlag tief berührte, entschloss er sich bereits im Jahr 2004, als Künstler einen Beitrag zur Emotionalisierung und Aufwertung der Marke Opel zu leisten.
Für Hans Diebschlag ist es nicht neu, sich als Künstler in die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen unserer Gesellschaft einzumischen, diese nicht nur im Alltäglichen, sondern auch im spirituellen Leben mit zu gestalten. Indem er Kunst zur Werbung macht, wagt er sich in die ästhetische Tabuzone. Für ihn steht jedoch nicht das „Entweder“ einer autonomen Kunst gegen das „Oder“ des Affirmativen. Vielmehr strebt er nach einer neuen Synthese von beiden, wie es Jörg Scheller in seinem Essay im Katalog zur Ausstellung auf den Punkt bringt.
In der jüngsten Bilder-Serie konzentriert sich Diebschlag vorrangig auf die Bedeutung, die das Automobil in unserer postmodernen Gesellschaft trägt. Schon der Titel „Träume des Adam“ verweist auf das Archetypische: Die Träume und Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit durch Mobilität, die in unserer Zeit weniger auf die Gesellschaft als vielmehr auf das individuelle Erleben projiziert werden.
Die Methoden der Werbung nimmt der Maler ins Visier; Bilder, die sie kreiert, die den Zeitgeist aufnehmen und gleichermaßen die Wahrnehmung der Käufer prägen. Somit macht Hans Diebschlag nicht nur die Frage nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, nach der Beziehung von Kunst und Werbung, sondern auch die dahinter liegende Frage nach der Doppelbedeutung der Produkte in der Konsumwelt zum Thema seiner Serie.
Das Auto verwandelt sich aus einem einfachen Fortbewegungsmittel in eine zweite Haut des Menschen, die kulturelle Haut. Es wird quasi selbst zur Idee, zum symbolhaften Träger von Träumen, Wünschen und Sehnsüchten der Menschen, nicht zuletzt zum Ausdruck von Lebensstilen und Lebensgefühlen.
Seine Gemälde, die er in Aquarell und Tempera auf Papier, Öl auf Aluminium und Öl auf Ölkarton schuf, sind mehrschichtig und vieldeutig. Ausgehend von dem Celebrity-Kult des Marketing verbindet er in phantastischer Weise originale Opelwerbung seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit bekannten Persönlichkeiten der Kultur – von Sokrates, Brecht, Kafka, Nijinsky bis hin zu Mies van der Rohe – mit alten und neuen Wagen der Marke Opel.
Poetisch und mythisch schafft der Maler einen spannungsreichen, nahezu zeitlosen Erfahrungsraum zwischen Kunst und Werbung, in den er seine Betrachterinnen und Betrachter entführt, sie involviert, den Wunsch erweckt, selbst an dieser imaginären Welt der Träume teilzuhaben. In diesen Spannungsfeldern jedoch stellt er mit seinen illusionären Bildern die Übertreibungen der Werbung in Frage und fordert in diesem Spiel der Wahrnehmungen seine Betrachterinnen und Betrachter auf, die Geheimnisse selbst zu enträtseln.
In der Emotionalität für Opel und in seiner Wahrhaftigkeit liegt die Kraft des Malers Hans Diebschlag, der seinen Platz mitten in dieser Gesellschaft hat, eine Hommage an Adam Opel zu kreieren, darüber hinaus eine humorvolle Serie von Werbespots, die in die Zukunft leitet. Es ist seine eigene Fassung der inhärenten Geschichte des Unternehmens, die mit dem Slogan der Belegschaft „Wir sind Opel“ zu einem neuen Selbstbewusstsein aus der Krise führte und sich mit jenem Leitsatz verbindet, den sich das Unternehmen gegeben hat: „Wir leben Autos“.
Die Diebschlag-Monologe –
Ein Film von Michael H. Farquharson*, Timeline Video Design
Der in der Ausstellung erstmals präsentierte Film „Die Diebschlag-Monologe“ ist ein illustrierter, teilweise inszenierter Zusammenschnitt von Interviews mit Hans Diebschlag zu den Themen der Stadt Rüsselsheim, des Automobilherstellers Opel und seiner Malerei. Der Regisseur entwirft darin ein Porträt des Künstlers, welches die Adam Opel AG anlässlich der Ausstellung „Träume des Adam. Eine poetische Werbung“ beauftragte.
Die Interviews wurden Mitte August 2008 in vier Tagen aufgenommen. Drehort ist die historische Werkshalle A1 auf dem Gelände des alten Opelwerkes, nahe dem Hauptportal, der Nahtstelle zwischen Werk und Stadt. Für Hans Diebschlag wie für die Stimmung des Films spielt sie gleichermaßen eine bedeutende Rolle. Hier zeigte er seinen ersten Rüsselsheim-Zyklus der Öffentlichkeit; Jahre später kam er in einer turbulenten Phase seines Lebens zurück und malte in dieser Halle die Bilderserie „Straßenkreuzung“. Sich wieder an diesem Ort zu finden und vor laufender Kamera seine Geschichte zu erzählen, war ein Versuch des Filmregisseurs Michael Farquharson, Hans Diebschlag eine Art von Wiederentdeckung zu ermöglichen und seine unsterbliche Verbindung zu dem Rüsselsheimer Opelwerk wörtlich auszudrücken.
Den Clip „Would you buy a car from this man?“ können Sie im Internet finden unter youtube Hans Diebschlag
oder unter: http://www.youtube.com/watch?v=vb53pGZRFu0
*Michael H. Farquharson ist Schauspieler, Filmproduzent und Regisseur. Er lebt in der Schweiz und arbeitet für das Schweizer Fernsehen.
Mit dieser Ausstellung, die als besondere Ehrung in die dies-jährige Feier der Jubilarinnen und Jubilare eingeht, setzt die Adam Opel AG ihre fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Maler Hans Diebschlag, der eng mit Rüsselsheim und Opel verbunden ist, fort. Die Ausstellung „Erinnerungen“ in der alten Opel-Fabrikhalle A1 am Hauptportal war 1997 der Beginn dieser Zusammenarbeit, es folgten die Ausstellungen des „Hanuman-Zyklus“ und der „Zehn biblischen Plagen“ im Adam Opel Haus in Rüsselsheim sowie eine weitere in der Hauptstadtresidenz mit dem Titel „Ost-West. Allegorien zur Menschwerdung“. Die Auftragsarbeit „Apotheose“ schmückt die Eingangshalle des Adam Opel Hauses, die Serie „Straßenkreuzung“, ist im Besitz des Unternehmens, „Entdecke das Herz von Rüsselsheim“ erwarb die Stadt Rüsselsheim.
Auch das jüngste Werk „Träume des Adam. Eine poetische Werbung“ wird zusammen mit dem Film von Michael Farquharson „Die Diebschlag-Monologe“ in dem sozialen und kulturellen Zusammenhang, aus dem der Künstler seine Energien schöpft, zu betrachten sein.
Träume des Adam / Dreams of Adam
Eine poetische Werbung von Hans Diebschlag / Poetic Advertising by Hans Diebschlag
Kunstausstellung der Adam Opel AG mit
dem Film „Die Diebschlag-Monologe“ von Michael Farquharson,
Timeline Videodesign
Halle A1 am historischen Opel Hauptportal Bahnhofsplatz, 65428 Rüsselsheim
vom 15. April bis 15. Mai 2011
Öffnungszeiten: Mi – Fr 16 – 18 Uhr, Sa 10 – 15 Uhr, So 15 – 18 Uhr
Die öffentliche Ausstellungseröffnung findet am 14. April 2011 um 19.00 Uhr im Beisein von Hans Diebschlag und Michael Farquharson in der Halle A1 statt.
Es sprechen:
Holger Kimmes, Mitglied des Vorstandes Personal- und Sozialwesen und Arbeitsdirektor Adam Opel AG
Dagmar Eichhorn, forum urbanum, Kuratorin
Jörg Scheller, Kunstwissenschaftler, Autor, Musiker, HFG Karlsruhe, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich
Die musikalische Begleitung liegt bei Frank Wolff, Violoncello (Frankfurt am Main)
Im Rahmen der Ausstellung finden begleitende Veranstaltungen statt.
Führungen durch die Ausstellung mit dem Maler Hans Diebschlag:
Mittwoch, 20. April 2011, 18 – 20 Uhr und Samstag, 30. April 2011, 11 – 13 Uhr
Die Ausstellung wird von Dagmar Eichhorn, forum urbanum, Rüsselsheim, kuratiert. Sie konzipierte und koordinierte die Veranstaltungen.
Öffentliche Gesprächsrunde am 10. Mai 2011
um 19.00 Uhr in der Halle A1.
Thema: „Wie das Auto zur Ikone wird“ – Ein Dialog zwischen Kunst, Marketing und Automobil-Design bei Opel in Rüsselsheim
Es sind zu Gast:
Alain Visser, Mitglied des Vorstandes Sales, Marketing und Aftersales Adam Opel AG
Mark Adams, Vice President Opel / Vauxhall Design Adam Opel AG
Prof. Dr. Beat Wyss, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie, HfG Karlsruhe, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich (angefragt)
Tim Sommer, Chefredakteur von art, Kunstmagazin (angefragt)
Moderation: Volker Panzer, zdf nachtstudio
In einer öffentlichen Gesprächsrunde soll ein Dialog zwischen Personen aus den Bereichen Kunst, Design und Marketing um die Frage der Berührungen der verschiedenen Gebiete zueinander vor dem Hintergrund der Positionierung von Marken in einer disparaten gesellschaftlich kulturellen Situation stattfinden.
Weitere Veranstaltungen sind in Planung.
Informationen unter: www.diebschlag.com
Informationen zur Ausstellung auf Facebook
forum urbanum - Forschungsgesellschaft für Unternehmens- und Stadtkultur mbH
Dagmar Eichhorn | Diplom-Soziologin, Robert-Bosch-Straße 4, D-65428 Rüsselsheim
Telefon 06142 4083372
forum.urbanum@t-online.de