Redemanuskript zur Eröffnung der Ausstellung „Träume des Adam. Eine poetische Werbung von Hans Diebschlag“ mit dem Film „Die Diebschlag-Monologe“ am 14. April 2011 in der Halle A1
Es gilt das gesprochene Wort
Guten Abend, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde von Hans Diebschlag.
Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde hier in der Halle A1 die erste Kunst-Ausstellung von Hans Diebschlag zusammen mit Opel eröffnet. Die Werkshalle am historischen Hauptportal, die zu Opels Beginn die Fahrradproduktion, dann die Getriebe- und Kugellager-Fertigung beherbergte, lässt auch heute noch den Geruch von Öl erahnen. „CKD“- Platten, die in Kisten verarbeitet, der Verschickung von Opel-Fahrzeugen in die ganze Welt dienen, bilden den Hintergrund der Gemälde.
Abermals weichen wir mit den „Träume(en) des Adam. Eine poetische Werbung von Hans Diebschlag“ von der musealen Weise der Präsentation ab. Es geht weniger darum, die Kunstwerke als Objekte des Wissens an und für sich zu präsentieren, sondern sie vielmehr als Medium ästhetischer Erfahrung zu inszenieren.
So finden Sie eine Komposition von Gemälden, Film, Plakaten, Architektur, Klängen und nicht zuletzt von Dialogen, die auch atmosphärisch zusammenwirken. Die Form entspricht dem Selbstverständnis des Künstlers, dem es nicht neu ist, sich in die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen unserer Gesellschaft einzumischen und sie im Alltäglichen mit zu gestalten.
Der Ort, an dem wir uns befinden, war ehemals – symbolisch gesehen - die Nahtstelle zwischen dem Opel-Werk und Rüsselsheim. In einer turbulenten Phase seines Lebens diente er dem Maler als Atelier. Hier drehte Michael Farquharson seinen Film „Die Diebschlag-Monologe“, dessen Premiere wir heute feiern.
Mit der vorliegenden Bilder-Serie „Träume des Adam“, die Diebschlag als poetische Werbung versteht, reflektiert er in malerischer Weise, wie Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft Opel und seine Produkte wahrnehmen und welche Bedeutung sie ihnen verleihen.
Schon der Titel verweist auf die Doppeldeutigkeit des Werkes: Die Träume und Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit durch Mobilität, die in der Werbung zwar geschichtslos erscheinen, dennoch Ideenprodukte der modernen Zeit sind, worauf Jörg Scheller in seinem Vortrag näher eingehen wird.
Humorvoll und kritisch zugleich nimmt Diebschlag die Methoden der Werbung ins Visier, wenn er Mae West den Stauraum des Opel Kadett A in der Werbung der Zeit des Wirtschaftswunders lächelnd bestaunen lässt. Oder, wenn Beethoven ausgerechnet beim Anlassen des Kadett vor einem typischen Rüsselsheimer Siedlungshaus der 1960er Jahre die zündende Idee für sein „Freude schöner Götterfunken“ bekam.
Poetisch schafft Diebschlag uns einen spannungsreichen Erfahrungsraum zwischen Kunst und Werbung, der Zeitlosigkeit suggeriert, in den er uns entführen möchte, den Wunsch erweckt, selbst an dieser imaginären Welt der Träume teilzuhaben. In den Spannungsfeldern seines vielschichtigen und vieldeutigen Werkes fordert er uns jedoch auf, die Geheimnisse im Spiel der Wahrnehmungen selbst zu enträtseln.
Mal poetisch, mal politisch bewegt sich der Maler zwischen der Tradition und den Hoffnungen der Zukunft.
Indem er in seinem letzten Bild „Nach dem Sturm“ den dynamischen Adam die alten Autos in den Straßen der Friedrich-Ebert-Siedlung wegfegen lässt, um für die neue Generation der Elektrofahrzeuge Platz zu machen, greift er den vermeintlichen Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach Mobilität und der Endlichkeit der fossilen Vorräte auf, der einen modernen Automobilbauer vor die Herausforderungen stellt, ökologisch vertretbare, nachhaltige Fahrzeuge zu produzieren.
Mit dem serienreifen Ampera liefert Opel das Fahrzeug; mit „Projekt Earth“ die entsprechende Unternehmensphilosophie dazu.
Jenseits der Produkte und der Marke hat Hans Diebschlag einen besonderen Blick auf die Menschen und ihr Leben. Früher, als sein Vater bei Opel arbeitete, bestimmte der Zeit-Takt der Fabrik den Takt des Lebens und der rasch herangewachsenen Opel-Stadt. Die Arbeit war ihr Leben, sie prägte die Kultur.
Während der letzten Jahre verfolgte Diebschlag von England aus die weltweite Krise des Finanzmarktes sowie die der Automobilindustrie. In Sorge, Hoffnung und nicht zuletzt in Überzeugung, dass diese „Spezies der Opelanerinnen und Opelaner“ mit ihrem Willen und ihrer Kreativität das Herz der Marke und des Unternehmens sind, entschloss er sich, einen poetischen Beitrag zur Opel- Werbung zu leisten.
So entstand zu Beginn der Serie im Jahr 2004 „Das Herz von Rüsselsheim“ nach dem Foto, das Diebschlag von dem europäischen Aktionstag der Beschäftigten vor dem Adam Opel Haus aufgenommen hatte, als er eigentlich die historische Opel-Werbung studieren wollte.
In diesem Gemälde bilden die Menschen das Fundament, das die Unternehmenszentrale und die Marke mit dem Blitz stützt. Viktoria mit dem Opel-Werbeplakat der 1920er Jahre verkörpert thronend darüber nicht nur den Erfolg, sondern auch die Emotionalität des Unternehmens. Dieses Bild kann für die kraftvolle Emotionalität des Unternehmens stehen, zusammengefasst in dem Leitsatz, „Wir sind Opel“, den die Belegschaft prägte, womit sie nicht zuletzt die Krise überwunden hat.
Weil Opel mehr ist, als nur eine Marke werden im Rahmen dieser Ausstellung am 2. Mai Freunde und Kenner von Opel wie Norbert Blüm, Hans Eichel, Hans-Wilhelm Gäb und Klaus Franz in einer öffentlichen Gesprächsrunde über diese Besonderheit des Unternehmens und der Marke sprechen.
Am 10. April folgt die öffentliche Gesprächsrunde mit Alain Visser, Marketingvorstand, dem Chefdesigner Mark Adams und Prof. Dr. Beat Wyss zu dem Thema „Wie das Auto zur Ikone wird“. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Abschließend danke ich jenen Freunden von Diebschlag, die ihre Bilder für die Ausstellung zur Verfügung stellen, dafür dass die Stellwände und die Beleuchtung inhouse von Opel erstellt und montiert wurden.
Mein besonderer Dank gilt dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Adam Opel AG, Herrn Nick Reilly, Herrn Holger Kimmes, der die Schirmherrschaft übernahm, Hans Diebschlag, der seine Bilder für Opel zur Verfügung stellt, und nicht zuletzt Michael Farquharson, der den Film drehte. Sie haben diese Ausstellung ermöglicht.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und gebe das Wort weiter an Herrn Jörg Scheller.
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